Was ist Betriebliches Vorschlagswesen (BVW) 2021: Wissen + Praxis


Warum ist Betriebliches Vorschlagswesen so erfolgreich?

Betriebliches Vorschlagswesen (BVW) ist ein hochstabiles Unternehmensprogramm, das auf einem Vertrag zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite beruht und einen transparenten Umgang mit Mitarbeiterideen und sowie Wertschätzung für Ideengeber regelt.

So gelingt es, dass sich Mitarbeitende aus allen Organisationsbereichen eigeninitiativ an der Veränderung des Unternehmens mit ihren Ideen und Verbesserungsvorschlägen beteiligen können.

Das Betriebliche Vorschlagswesen fördert eine Ideenkultur und liefert transparente Informationen über den realisierten Nutzen von Ideen.

Der Return on Betriebliches Vorschlagswesen liegt i. d. R. über dem Verhältnis von 1:4, d. h. von ein-Euro-investiert-zu-vier-Euro-Ertrag-pro-Jahr. Das ist eine Rendite, die nur wenige Investitionsprojekte erzielen können.

(Lesedauer 3 Minuten) 

INHALTSÜBERSICHT

5 Gründe für ein erfolgreiches Betriebliches Vorschlagswesen


Definition Betriebliches Vorschlagswesen (BVW)

Heute bildet das Betriebliche Vorschlagswesen oder auch BVW genannt (engl. employee suggestion scheme) die Basis eines erfolgreichen Ideenmanagements (engl. idea management). In einzelnen Unternehmen wird gleichzeitig ein BVW und ein Kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KVP) betrieben.

Auf der Basis einer Betriebsvereinbarung bildet es ein Unternehmensprogramm, das es Mitarbeitenden ermöglicht, Mitarbeiterideen einzureichen. Das BVW stellt sicher, dass die Ideen transparent verarbeitet werden.

Dabei handelt es sich meist um Ideen für Verbesserungen und Veränderungen.
Über das Betriebliche Vorschlagwesen wird eine Kultur der Wertschätzung in der Organisation gefördert.

Hintergrund

Das Betriebliche Vorschlagswesen konnte entstehen, weil es fundamentale Veränderungen in der Gesellschaft gab, die heute aktueller sind denn je.  

Dazu lohnt es sich einige Jahrhunderte zurückzublicken, zum Beispiel in die Epoche der Aufklärung. Damals lernten mehr Menschen in Europa kritisch zu denken, sich eine eigene Meinung zu bilden und diese auch mitzuteilen. Lesetipp: Emanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft.

Kulturen, in denen die Epoche der Aufklärung nicht stattfand, leben heute einen völlig anderen Umgang mit Ideen und Verbesserungsvorschlägen. An Standorten mit internationalen Belegschaften, im internationalen Ideenmanagement oder beim Ideentransfer sind die Auswirkungen der Aufklärung bis heute gut zu beobachten.

Eine weitere wichtige Entwicklung bildet die berufliche Ausbildung. Aus dem Mittelalter heraus bildeten sich die Zünfte, die eine hochwertige berufliche Ausbildung ermöglichten. Es wurde die Grundlage für fachlich hochwertige Ideen geschaffen, die auch Vorschläge, Verbesserungsvorschläge oder VV genannt werden.

Vor dem Hintergrund dieser und weiterer Entwicklungen konnten Unternehmen wie Krupp den gesellschaftlichen Nährboden Ende des neunzehnten Jahrhunderts für sich nutzen und den Aufbau eines erfolgreichen Betrieblichen Vorschlagswesens vorantreiben.

Das Betrieblichen Vorschlagswesens gründet heute auf einem hohen Stand der beruflichen Bildung sowie auf der kreativen Initiativkraft der Mitarbeitenden. Das BVW hat zum ZIel Verbesserungsvorschläge in das Unternehmen einzubringen.

 

Ablauf und Prozess

Die Digitalisierung, New Work und viele weitere Megatrends haben das Betriebliche Vorschlagswesen weiter modernisiert.

Partizipativ können Mitarbeitende ihre Ideen und Verbesserungsvorschläge eigeninitiativ in das Unternehmen einbringen. Das können Ideen sein, die spontan entstanden sind, oder Ideen, die im Rahmen einer Ideenkampagne (Problem sucht Lösung) eingereicht worden sind.

Die Mitarbeitenden können darauf vertrauen, dass zum einen ihre eingereichten Ideen transparent verarbeitet werden und zum anderen ihnen bei Erfolg Wertschätzung zuteil wird.

Ausgerichtet auf die Unternehmensstrategie und -kultur werden Ideen generiert, die der operativen und strategischen Zielerreichung dienen.

Die Ideengenerierung erfolgt über eine Vielzahl unterschiedlicher Methoden, die entweder zufällig-spontan oder gerichtete verlaufen.

Mitarbeiter generieren Ideen zur Verbesserung bestehender Standards (Verbesserungsvorschläge), Ideen für Innovationen zur Schaffung neuer Standards sowie Ideen, die zu Patenten angemeldet werden können.

Eine Idee besteht dabei meist aus drei Bestandteilen:
• Beschreibung einer Herausforderung oder eines Problems
• Lösung als Lösungsweg
• Nutzen oder Ergebnis

Hier greifen gesetzliche Grundlagen, wie zum Beispiel das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB), Betriebsverfassungsgesetz als auch das Arbeitnehmererfindungsgesetz.

Das Betriebliche Vorschlagswesen verfügt über einen transparenten Prozess für die Verarbeitung von Ideen und Verbesserungsvorschlägen. Dieser besteht i. d. R. aus vier Stufen:
Die Rollen entlang des Ideenmanagement-Prozesses sind:
Jeder Rolle sind Aufgaben zugewiesen, die erforderlich sind, damit das Betriebliche Vorschlagswesen produktiv arbeiten kann.

BVW Betriebsvereinbarung

Betriebsvereinbarung oder auch Konzernbetriebsvereinbarung ist ein Vertrag zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite (auch Betriebsrat oder Personalrat). Sie bildet die Grundlage für ein vertragskonformes Verhalten.

Der Betriebsrat kann dabei sein Initiativrecht nutzen sowie sein Mitbestimmungsrecht ausüben, um das Betriebliche Vorschlagswesen zu gestalten.

Die Inhalte und die Ausgestaltung einer Betriebsvereinbarung kann sehr unterschiedlich sein. Es werden in einer Betriebsvereinbarung zum Beispiel Themen geregelt, wie:
Sie möchten mehr erfahren? Lesetipp: Thema Betriebsvereinbarung im Buch Ideenmanagement für Arbeitnehmervertreter und Arbeitgebervertreter

Wertschätzungskultur

Jedes Unternehmen definiert seinen individuellen Weg, wie es die Ideengeber für ihre Verbesserungsvorschläge wertschätzen möchte.

Unternehmen drücken ihre Wertschätzung zum einen über immaterielle Maßnahmen aus, die auf eine intrinsische Motivation ausgerichtet sind und zum anderen über materielle Maßnahmen. Das sind Prämien, die man als Sachprämien und Geldprämien kennt. Sie sind auf die extrinsische Motivation ausgerichtet.

Lesetipp: Impulsgeber Ideenmanagement und Unternehmenskultur. Kontaktieren Sie uns!

 

BVW Kennzahlen, Reporting, Benchmark

Der transparente Verarbeitungsprozess von Verbesserungsvorschlägen ermöglicht es, dass BVW Kennzahlen systematisch genutzt werden.

Klassische Kennzahlen sind:
Die Kennzahlen liefern Informationen zu den Themen Ideen-Kultur, Ideenverarbeitungs-Prozess sowie Nutzen und Ergebnisse.
Sie bilden einen Bestandteil eines vitalen Reportings.

Nutzen Sie den IDM BENCHMARK connect vom Zentrum Ideenmanagement in Deutschland, Österreich, Schweiz (DACH-Region), um sich mit Ihrem BVW mit anderen Unternehmen zu vergleichen, zu vernetzen und voneinander zu lernen. 

Betriebliches Vorschlagswesen Software 

Für die operative Durchführung eines Betrieblichen Vorschlagswesens werden eine Vielzahl unterschiedlicher Werkzeuge genutzt.

Zur Unterstützung des Verarbeitungsprozesses können Softwarelösungen eingesetzt werden. Der Anbietermarkt für BVW Software befindet sich in einem stetigen Wandel.

Lesetipp: Projekt Software Auswahl richtig angehen

 

Moderne Standards

Das Zentrum Ideenmanagement ist der Ort, an dem Standards für das Betriebliche Vorschlagswesen entwickelt werden. Dies umfasst insbesondere die Fachsprache mit ihren Definitionen und Verständnissen sowie Methoden und Maßnahmen für ein professionelles BVW in der heutigen Zeit.

Wir unterstützen dadurch Ideenmanager, die die Relevanz des Themas aktuell und zukunftsoffen in ihrer Organisation kommunizieren und umsetzen möchten. Die Begriffsverständnisse und Definitionen sind in der Zeitschrift Ideen & Management, Materialien für nachhaltige Unternehmensführung veröffentlicht. ISSN Print 2192-2039 | ISSN Online 2698-6906

Wenn Sie Anregungen zu einzelnen Begriffsverständnissen haben oder der Meinung sind, dass weitere Begriffe hinzugefügt werden sollen, schreiben Sie uns! (Kontakt).

 

Autor

Roland Rausch

Vorstandsmitglied Zentrum Ideenmanagement und Geschäftsführer Deutsches Institut für Ideenmanagement und Innovationsmanagement